Die erste Woche in Polen

Es sind keine Radwege an stark befahrenden Straßen, also fährt man auf der Straße. Ständige Seitenwechsel, wenn es Radwege gibt. Dann gibt es die alternative Waldwege. Qualität von bis. Von asphaltiert und wunderbar, bis hin zu Sand, dass man selbst ohne Steigung schieben muss, mit einem bepackten Fahrrad rutscht man einfach unkontrolliert weg. Das macht nicht wirklich Spaß, kostet viel Zeit, Kraft, Nerven und man muss ständig aufpassen, weil so eine lockere Sandfläche ist halt schwer vorherzusehen. Es kann sein, dass es sehr gut fahrbar ist und dann plötzlich kommt so eine Sandlache, wo der Vorder- oder Hinterrad wegrutscht. Da kommen Erinnerungen aus der Vergangenheit wieder vor, als ich über den Lenker abgestiegen bin. Anderes Thema, anderes Land, andere Tour. Imagepipe_28 Stellenweise habe ich auch das Gefühl, dass das Vorbereitungen sind, da noch Asphalt drauf zu klatschen, insbesondere auf diesem Sandwegen. Aber so ist es halt doch sehr abenteuerlich, wo der Eurovelo 2 zum Teil lang führt. Es steht aber auch an den ganzen Etappen, dass das in Planung ist oder in Entwicklung ist, von da ist das gar kein Vorwurf, sondern einfach nur eine Feststellung, wie es gerade ist.

So weit zu den Wegen, die Leute hier sind unheimlich nett. Ich kann mir dummerweise immer noch nicht die Grundlagen der polnischen Sprache in den Kopf prügeln. Ist ein bisschen traurig, aber ich war noch nie in Sprachengenie (das merkt man wahrscheinlich auch an der Qualität des Blogs.) Imagepipe_33 Aber man schafft es trotzdem immer irgendwie, sich zu verständigen. Die Leute, die mich ansprechen und auch englisch verstehen, erzeugt immer wieder einen Unglauben, wenn ich erkläre, was ich vorhabe. Natürlich vermuten sie „hey, das ist einer mit einem bepackten Fahrrad, der wird eine größere Tour vor sich haben.“ Aber wenn ich dann sage, dass es erst zum Nordkapp und dann nach Tarifa geht, klappt der Kindladen dann doch nochmal zwei Stufen tiefer. Und sie wünschen mir Glück.

Es ist sehr freundlich alles hier. Ich hatte ein bisschen Vorurteile, das liegt glaube ich auch an meiner Generation. Da war Polen immer sehr verschrien. Das kann ich soweit nicht bestätigen. Macht soweit viel Spaß hier zu fahren, wie gesagt bis auf das Radwegenetz verbesserungsbedürftig ist.

Was war los?

Ich hatte gleich in den ersten Tagen schon ein paar Probleme. Zum Beispiel musste ich feststellen, dass meine Isomatte kaputt ist. Und dass zwei Tage später bricht mir noch ein Backenzahn ab ist, obwohl ich vorher beim Zahnarzt war. Imagepipe_29 Das hat zur Folge gehabt, dass ich erst mal ein paar Kilometer Umweg fahren musste, um zu einem Zahnarzt in Gorzów Wielkopolski zu kommen. Der hat dann auch gleich eine neue Füllung gemacht und dann ging es gleich weiter zu einem Sportladen, um eine neue Isomatte zu kaufen.

Leider sah das Wetter nicht so toll aus, also habe ich die Unterkunft um einen Tag verlängert. Geholfen hat es nicht, da der darauf folgendende Tag auch regnerrisch war.

Trotz Regen und niedrigen Temperaturen bin ich dann noch 70 Kilometer, nach Sieraków, weitergefahren.

Zelten, ja aber

Was ich eigentlich ein bisschen häufiger vor hatte, hat bisher nur ein einziges Mal geklappt. Dabei habe ich eben auch festgestellt, dass meine Isomatte kaputt ist. Das Wetter ist echt noch sehr unangenehm, das möchte ich mir zwar langsam antrainieren und nicht von heute auf morgen Morgens bei vier Grad. Zum Teil dann noch den ganzen Tag Regen oder bewölkter der Himmel. Irgendwann hatte der Wetterbericht anfang Mai sogar zwei Grad angesagt. Das ist dann doch ein bisschen sehr unangenehm, nicht unmöglich, ich würde es wahrscheinlich überleben. Nur habe ich keine Lust, das jetzt herauszufordern und dann irgendwie mit Schnupfen steifen Rücken oder was auch immer platt zu liegen. Deswegen bin ich ein bisschen vorsichtig und ziehe mir halt günstige Apartments, Hotels oder was auch immer, brennt natürlich ein bisschen das Budget runter, aber ich denke mal, das ist so im Moment der bessere Ansatz.

Alle Wege führen nach...

Ein bisschen anders als geplant, werde ich jetzt doch mehr nach Norden, entlang des EuroVelo 2, fahren. Der direkte Weg nach Warschau scheint komisch zu sein.

Es gibt kaum eingetragene Radwanderwege, auf OpenStreetmap. Und der EuroVelo 2 macht auch einen sehr auffälligen Bogen um den Bereich von Konin.

Das werden zwar etwa 100 Kilometer mehr, aber ich vermute, dass das der bessere Ansatz ist, als sich durchzuschlagen. Und im Notfall ist auf oder an Schnellstraßen langfahren zu müssen, ist nicht unbedingt das Sinnvollste (das kam nach Warschau).

Deswegen werde ich mich wohl oder übel den Sandwegen, schlechten Radwegen und sonstigen Gegebenheiten des Eurovelo 2 des Jahres 2026 hingeben und ein bisschen mehr vom Land sehen.

Das ist natürlich auch etwas schöneres. Imagepipe_32