Ich war völlig überrascht von den Nachbarn und von den Arbeitskollegen, die mir meinen Abschied von zu Hause wirklich anders als erwartet bereitet haben. Das hatte ich so nicht erwartet.
Kaum hatte ich das Fahrrad nach vorne geschoben um es zu bepacken, standen meine ganzen Nachbarn plötzlich um mich herum und wollten mich verabschieden. Sie wollten alles mögliche wissen, wie viel Gepäck usw.
Das war ein unglaublicher Moment. Solche Nachbarn wünscht man sich.
Später dann am Braunschweiger Burgplatz war dann die zweite, eher die offizielle Losfahrt.
Da hatten sich ein paar Arbeitskollegen mit ihren Frauen getroffen um mich dann sogar noch ein paar Kilometer aus der Stadt zu begleiten. Das war ein genialer Start in das Abenteuer.
Was dann kam waren die ersten 30-40 Kilometer die besser gingen als erwartet, obwohl dort auch schon einige Steigungen zu bewältigen waren.
Nichts großartiges, aber für den ersten Tag war das schon mal ein kleiner Test und der ging eigentlich sehr, sehr gut. Die 25 kg Gepäck haben sich natürlich bemerkbar gemacht, aber selbst die erste Steigung war sehr gut machbar und ich bin gut vorangekommen.
Und dann kam das erste große Problem. Ich hatte mir ausnahmsweise für die ersten Tage Unterkünfte rausgesucht. Nach 60 Kilometer wollte ich in eine Gaststätte gehen.
Dort wurde mir gesagt, sie hätten nie Zimmer gehabt. Keine Ahnung wo ich das her hatte. Zudem, seit Corona sind die ganzen Pensionen in den Dörfern, die Hotels und so weiter alle kaputt gegangen oder sind aus anderen Gründen geschlossen.
Das Ende vom Lied war, dass ich gleich noch mal 40 Kilometer mehr nach Magdeburg fahren musste. Das war so nicht geplant und da ich nicht zu spät am Hotel aufschlagen wollte, habe ich mich dementsprechend beeilt.
Also ungefähr von 12 bis 19 Uhr 100 Kilometer mit 25 kg Gepäck abstrampeln. Das war nicht gut und das hat sich auch einige Tage hingezogen bis mein Körper sich davon erholt hat.
An dem Abend selber konnte ich quasi nichts mehr essen, weil das Restaurant um 21 Uhr zugemacht hat. Also blieb da auch nicht viel Zeit um mich vorher zu erholen. Nunja, ich habe es überlebt.
Dementsprechend gemächlich ging es dann am zweiten Tag los. Es waren nur knapp 50 Kilometer, weil der Körper fertig war und ich keine Kraft mehr hatte. Auch das Problem mit den Unterkünften ging eigentlich kontinuierlich die nächsten Tage weiter.
So habe ich eine Rast in Friedensau gemacht. Da hatte ich sogar geplant zu Zelten, aber die nächtlichen Temperaturen wollte ich mir nach dem ersten Tag noch nicht antun. Es waren immer noch um die 0 bis 2 Grad. Später werde ich mich daran gewöhnen müssen, aber nicht gleich die ersten Tage, wenn der Körper so überlastet ist.
Und wie es der Zufall will, gab es dort doch ein Gästehaus, wo ich dann auch untergekommen bin. War schon etwas komisch, weil dort eine theologische Hochschule gab und ich nun mal nicht unbedingt der religiöseste Mensch der Welt bin. Egal, ich wurde dort jedenfalls trotzdem für eine Nacht aufgenommen. War sehr nett.
Seit Ewigkeiten habe ich wieder in einer Mensa gegessen. Das Essen war zwar etwas übersichtlich, aber war okay. Ich habe auch nicht viel erwartet und ich brauche auch nicht viel.
Das hat schon gepasst.
Die Fahrt dorthin war erstaunlich gut dafür, dass ich da die erste Fahrt noch in den Knochen spürte.
Von meiner geplanten Route bin ich jetzt ab, und ein wenig nördlicher, als geplant, um mehr Unterkunftsmöglichkeiten zu haben. Hat auch so halbwegs geklappt. So habe ich ein kleines Zimmer gehabt an einem kleinen Hafen an einem See, war angenehm. Nur hätte ich vielleicht die Heizung ein wenig aufdrehen sollen. Vielleicht war das auch der Grund dafür, dass es mir am nächsten Tag ein bisschen schlechter ging. Es war sehr anstrengend, jede leichte Steigung habe ich sofort gemerkt, dass mir die Kraft in den Beinen gefehlt hat, obwohl ich eigentlich recht gut gegessen hatte.
Trotzdem habe ich mich bis kurz vor Potsdam geschleppt. Dort habe in einem Kongresshotel übernachtet, das Hotel war das günstigste, allerdings mal wieder den Fehler gemacht, Frühstück zu bestellen und das ist da in Kongresshotels eigentlich immer ein Fehler. Zwar war reichlich Auswahl, aber das hat den Preis doch noch über 100 Euro die Nacht katapultiert.
Kleine Randnotiz, es waren vermutlich wegen dem ersten Mai sehr viele Sicherheitskräfte von der Polizei und von der Bundeswehr in dem Hotel. Da ich mir für die Reise die Haare sehr kurz geschoren habe, 5 Millimeter, hat wohl einer von den Sicherheitsbeamten gedacht, ich gehöre dazu. Er hat gefragt, ob er sich an den Tisch setzen könnte und ich habe gesagt ja warum nicht. Das hat sich relativ schnell geklärt, weil ich gesagt habe, dass ich privat da bin und eine Radtour mache. Trotzdem war das ein sehr nettes Gespräch. Der Typ hatte den Jakobsweg zumindest in Teilen absolviert. Das war jedenfalls interessant.
Und dann ging es weiter nach Berlin. Das ging erstaunlich gut. Anscheinend hat sich mein Körper jetzt ein bisschen mehr dran gewöhnt an das ganze Fahren. Erst nach Berlin rein, bis zur Siegessäule und kurze Zeit später dann am Brandenburger Tor.
Das war der erste Moment, in dem ich wirklich realisiert habe, was ich da vorhabe. Es war sehr bewegend, weil dort auch eine Violistin gespielt hat, begleitet vom Band mit moderner Musik. Das war bei schönstem Wetter irgendwie ein Moment, in dem ich sogar einen leichten Klos im Hals hatte. War sehr bewegend dieser Moment.
Ich habe die erste von den 12 oder 13 Hauptstädten, die ich vermutlich abfahren werde, erreicht und das war schon bewegend. Ich hatte mich dort auf eine Bank gesetzt.
Dann kamen auf einmal mehrere Personen mit Spiegelreflexkameras auf mich zu und haben mich, weil ich gerade telefoniert habe, mit Handzeichen gefragt,, ob sie mich fotografieren dürfen. Ich habe ja gesagt und ich habe dann das Telefonat mit meiner Mutter mal kurz abgebrochen, weil das war irgendwie eine sehr interessante Situation. Hat sich herausgestellt, dass die Damen aus Spanien kommen und in Berlin einen Fotolehrgang machen.
Mein Fahrrad mit den Satteltaschen, die blaue Softshell, die ich hinten auf die Taschen bebunden hatte, ich mit meiner roten Banadada, also Clownsbund, und das zieht Fotografen natürlich an. Die waren etwas überrascht über das was ich vorhabe, wie praktisch jeder, mit dem ich ins Gespräch komme. Das war sehr nett.
Und dann ging es weiter um möglichst dem Trubel vom 1. Mai, 2026 aus dem Weg zu gehen. Den wollte ich nicht unbedingt in Berlin verbringen. Erstaunlicherweise konnte ich an dem Tag 70 Kilometer fahren, um dann außerhalb von Berlin ein Zimmer zu finden, wo ich jetzt gerade diese Aufnahme mache oder diesen Blogeintrag mache. Ich glaube, das war es erstmal für den ersten Reiseeintrag. Der nächste wird vermutlich meine Erfahrungen in Polen wiederspiegeln.